Mehr Einfluss für Nutzer – und neue Chancen für Medien
Google hat angekündigt, die Funktion „Preferred Sources“ nun weltweit auszurollen. Nach einer Testphase im Juni und dem offiziellen Start in den USA und Indien im August steht das Feature in den kommenden Tagen allen englischsprachigen Nutzern global zur Verfügung. Weitere Sprachen sollen Anfang kommenden Jahres folgen.Die Idee dahinter ist einfach, aber weitreichend: Nutzer können aktiv festlegen, welchen Nachrichtenquellen sie besonders vertrauen. Diese bevorzugten Medien werden in den Suchergebnissen – insbesondere im Bereich „Top Stories“ – stärker berücksichtigt.
Fast 90.000 bevorzugte Quellen – und doppelt so viele Klicks
Nach Angaben von Google haben Nutzer während der Einführungsphase bereits rund 90.000 unterschiedliche Quellen als bevorzugt markiert. Das Spektrum reicht von lokalen Blogs bis hin zu internationalen Medienhäusern. Der Effekt ist messbar: Inhalte aus bevorzugten Quellen werden im Schnitt doppelt so häufig angeklickt wie andere Ergebnisse.
Für Publisher ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. In Zeiten sinkender organischer Reichweite und wachsender Konkurrenz durch KI-generierte Antworten entsteht damit ein neuer, direkter Draht zum Publikum.
So funktioniert „Preferred Sources“
Um die Funktion zu aktivieren, suchen Nutzer nach einem aktuellen Nachrichtenthema. Neben den „Top Stories“ erscheint ein Symbol, über das bevorzugte Quellen ausgewählt werden können. Nach der Auswahl lassen sich die Suchergebnisse aktualisieren – und zeigen fortan mehr Inhalte von diesen favorisierten Seiten.
Google betont, dass die Auswahl jederzeit angepasst werden kann. Ziel sei es nicht, Filterblasen zu verstärken, sondern Nutzern mehr Transparenz und Kontrolle über ihre Informationsquellen zu geben.
Abos rücken stärker in den Fokus der KI-Suche
Parallel dazu kündigte Google an, kostenpflichtige Medien-Abonnements künftig sichtbarer in seine KI-Produkte zu integrieren. Inhalte aus abonnierten Quellen sollen verstärkt in Gemini, im neuen AI Mode sowie in den sogenannten AI Overviews auftauchen.
Damit reagiert Google auf Kritik von Verlagen, deren Inhalte zwar für KI-Zusammenfassungen genutzt wurden, ohne dass daraus ausreichend Traffic oder Erlöse entstanden. Die stärkere Berücksichtigung von Abos könnte ein Schritt sein, um hochwertige Inhalte wirtschaftlich besser abzusichern.
Ein Signal im Spannungsfeld zwischen KI und Journalismus
Die Einführung von „Preferred Sources“ zeigt, dass Google den Dialog mit Medienhäusern intensiviert. Während KI-gestützte Suchfunktionen weiter ausgebaut werden, soll zugleich der direkte Zugang zu journalistischen Angeboten erhalten bleiben.
Für Nutzer bedeutet das mehr Einfluss auf die eigene Informationslandschaft. Für Medien eröffnet sich die Chance, loyalere Leserbeziehungen aufzubauen – vorausgesetzt, sie schaffen Vertrauen und Relevanz.
Fazit
Mit dem globalen Start von „Preferred Sources“ setzt Google ein deutliches Zeichen. Die Suche wird persönlicher, kontrollierbarer – und potenziell fairer für Inhalteanbieter. Ob das Feature langfristig das Machtgefüge zwischen Plattformen, Medien und KI verändert, wird sich zeigen. Klar ist jedoch: Wer als Quelle gewählt wird, gewinnt an Sichtbarkeit – und an Bedeutung.