Wie funktionieren Quantencomputer?

Quantencomputer gelten als eine der spannendsten Technologien unserer Zeit. Sie versprechen, bestimmte Probleme zu lösen, an denen selbst die schnellsten klassischen Computer scheitern. Doch wie funktionieren sie eigentlich – und warum sind sie so besonders?

1. Klassischer Computer vs. Quantencomputer

Ein klassischer Computer (PC, Smartphone, Server) arbeitet mit Bits. Ein Bit kann nur zwei ZustÀnde annehmen: 0 oder 1. Alle Programme, Bilder, Videos und Berechnungen bestehen letztlich aus sehr vielen dieser 0-und-1-Entscheidungen.

Ein Quantencomputer arbeitet dagegen mit Qubits (Quantenbits). Und hier beginnt der entscheidende Unterschied.

2. Das Qubit – mehr als nur 0 oder 1

Ein Qubit kann nicht nur 0 oder 1 sein, sondern beides gleichzeitig. Dieses Prinzip nennt man Superposition.

Vereinfacht gesagt: WÀhrend ein klassisches Bit wie ein Lichtschalter ist (an oder aus), ist ein Qubit wie ein Dimmer, der viele ZustÀnde gleichzeitig einnehmen kann. Erst bei der Messung wird ein konkreter Zustand sichtbar.

3. Superposition – Rechnen in Parallelspuren

Durch Superposition kann ein Quantencomputer viele Rechenwege parallel ausprobieren. Das bedeutet nicht „magische Geschwindigkeit“, sondern eine andere Art, Möglichkeiten gleichzeitig zu reprĂ€sentieren.

  • 1 Qubit → 2 ZustĂ€nde
  • 2 Qubits → 4 ZustĂ€nde
  • 10 Qubits → 1.024 ZustĂ€nde
  • 50 Qubits → ĂŒber 1 Billion ZustĂ€nde

Genau hier liegt das enorme Potenzial von Quantencomputern: Sie können in bestimmten FĂ€llen sehr viele Optionen gleichzeitig „im Blick behalten“.

4. VerschrĂ€nkung – die besondere Verbindung zwischen Qubits

Ein weiteres zentrales Konzept ist die QuantenverschrĂ€nkung. Wenn zwei Qubits verschrĂ€nkt sind, sind ihre ZustĂ€nde miteinander gekoppelt. Misst man das eine Qubit, ist der Zustand des anderen damit verknĂŒpft – selbst wenn sie rĂ€umlich getrennt sind.

FĂŒr Berechnungen ist das besonders wichtig, weil Quantencomputer damit Informationen auf eine Weise koordinieren können, die klassische Computer so nicht nachbilden.

5. Quantenlogik statt klassischer Logik

Klassische Computer nutzen logische Gatter wie UND, ODER und NICHT. Quantencomputer arbeiten mit Quantengattern, die die Superpositionen von Qubits gezielt verÀndern.

Ein Quantenalgorithmus wird so gebaut, dass:

  • „falsche“ Lösungen sich durch Interferenz gegenseitig abschwĂ€chen oder auslöschen,
  • „richtige“ Lösungen am Ende mit höherer Wahrscheinlichkeit ĂŒbrig bleiben.

Bekannt ist zum Beispiel Shors Algorithmus, der große Zahlen sehr effizient faktorisieren kann – das ist relevant, weil viele heutige VerschlĂŒsselungsverfahren auf der Schwierigkeit dieser Aufgabe beruhen.

6. Warum Quantencomputer so schwer zu bauen sind

Qubits sind extrem empfindlich. Schon kleinste Störungen können Fehler verursachen, zum Beispiel durch:

  • WĂ€rme
  • elektromagnetische Felder
  • Vibrationen

Darum werden viele Quantencomputer in hochspezialisierten Umgebungen betrieben, oft bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (−273,15 Â°C) und in stark abgeschirmten Systemen.

7. WofĂŒr nutzt man Quantencomputer?

Quantencomputer sind keine besseren PCs, sondern Spezialwerkzeuge fĂŒr bestimmte Problemklassen. Typische Einsatzgebiete sind:

Wissenschaft & Forschung

  • Simulation von MolekĂŒlen und Materialien
  • Entwicklung neuer Medikamente

Kryptografie

  • Analyse heutiger VerschlĂŒsselungen
  • Entwicklung quantensicherer Verfahren

Optimierung

  • Routen- und Logistikplanung
  • Lieferketten-Optimierung
  • bestimmte Finanz- und Risiko-Modelle

KI & Machine Learning

  • Beschleunigung ausgewĂ€hlter Optimierungs- und Lernschritte

8. Warum wir noch keine Quantencomputer zuhause haben

Aktuelle Quantencomputer sind noch relativ fehleranfĂ€llig, benötigen aufwendige KĂŒhlung und haben nur eine begrenzte Anzahl stabiler Qubits. Oft spricht man von der NISQ-Phase (Noisy Intermediate-Scale Quantum): Quantencomputer funktionieren bereits, sind aber noch nicht „reif“ genug, um viele große Probleme fehlerfrei zu lösen.

9. ErgÀnzung statt Ersatz

Quantencomputer werden klassische Computer nicht ersetzen. In der Praxis werden kĂŒnftig vermutlich Systeme entstehen, die klassische CPUs und GPUs mit Quantenprozessoren kombinieren. Der Quantencomputer ĂŒbernimmt dann nur die Teile, bei denen er wirklich Vorteile hat.

Quantencomputer nutzen die Gesetze der Quantenphysik – vor allem Superposition und VerschrĂ€nkung – um bestimmte Aufgaben anders und teilweise deutlich effizienter zu lösen als klassische Computer. Obwohl die Technik noch am Anfang steht, ist das Potenzial groß: von Materialforschung und Medizin bis hin zu Sicherheit und Optimierung.