Stellen Sie sich vor, Sie wollen nach einer längeren beruflichen Pause wieder voll durchstarten. Doch kaum haben Sie sich für mehr Arbeitsstunden entschieden, merken Sie, dass sich Ihre finanzielle Situation kaum verbessert. Dieses Dilemma betrifft viele Frauen in Österreich, vor allem jene über 45. Grund dafür ist unter anderem das Ehegattensplitting – ein steuerliches Modell, das in der Praxis oft als Bremsklotz für die Arbeitsmarktteilnahme von Frauen fungiert.

Das Ehegattensplitting – ein ungleiches Steuerkonstrukt

Beim Ehegattensplitting werden die Einkommen von verheirateten Paaren zusammengerechnet und dann durch zwei geteilt. Auf diese Weise wird der Steuersatz berechnet, was oft zu einer geringeren Steuerlast führt, wenn ein Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere. In Österreich ist dieses Modell nicht so ausgeprägt wie in Deutschland, dennoch beeinflusst es die Arbeitsmotivation vieler Frauen, die in Teilzeit arbeiten oder nach einer Familienpause wieder einsteigen möchten.

Hürden für Frauen im Arbeitsmarkt

Frauen, die versuchen, nach einer Familienpause wieder in den Vollzeitjob zurückzukehren oder ihre Arbeitsstunden zu erhöhen, erleben häufig, dass sich der zusätzliche Verdienst kaum lohnt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben dem Ehegattensplitting spielen auch hohe Steuerabgaben und fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten eine Rolle. Die zusätzliche Belastung durch höhere Steuern und Abgaben kann dazu führen, dass viele Frauen den Schritt zurück in den Arbeitsmarkt scheuen.

Politische Lösungsansätze

Um die Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt zu erhöhen, wird in Österreich immer wieder über Reformen des Steuersystems diskutiert. Eine Möglichkeit wäre die Einführung eines individuellen Steuersystems, bei dem jede Person unabhängig vom Partner besteuert wird. Ein solches Modell würde Anreize schaffen, die Arbeitsstunden zu erhöhen, da der zusätzliche Verdienst nicht durch die Steuerprogression abgeschwächt wird.

Ein weiterer Ansatz könnte die Verbesserung der Kinderbetreuungsangebote sein. Wenn Frauen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder gut betreut sind, fällt es ihnen leichter, mehr Arbeitsstunden zu übernehmen. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Optionen könnten ebenfalls dazu beitragen, dass mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zurückkehren oder ihre Arbeitszeit erhöhen.

Fazit

Das Ehegattensplitting ist ein komplexes Thema mit weitreichenden Auswirkungen auf die Arbeitsmotivation vieler Frauen in Österreich. Eine Reform des Steuersystems hin zu mehr Individualbesteuerung könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Gleichzeitig sind unterstützende Maßnahmen wie erweiterte Kinderbetreuungsmöglichkeiten und flexible Arbeitsmodelle unerlässlich, um Frauen den Einstieg oder das Aufstocken ihrer Arbeitszeiten zu erleichtern. Nur durch eine Kombination aus steuerlichen Anreizen und infrastruktureller Unterstützung kann es gelingen, die Arbeitsmarktteilnahme von Frauen nachhaltig zu fördern.