Mein Chef hat immer recht. Ich auch.

Es gibt unumstößliche Naturgesetze: Der Apfel fällt nach unten, Kaffee wird kalt, sobald man ihn wirklich braucht – und mein Chef hat immer recht. Sagt zumindest mein Chef. Blöd nur: Ich habe auch immer recht.

Die tägliche Wahrheitskrise im Büro

Der Klassiker läuft ungefähr so:

Chef: „Wir machen das jetzt so.“

Ich (innerlich): „Das ist falsch.“

Ich (laut): „Gute Idee.“

Warum? Weil ich gelernt habe: Im Berufsleben geht es nicht um Recht haben, sondern um Recht behalten dürfen. Und das ist eine ganz andere Disziplin.

Wenn zwei Wahrheiten aufeinandertreffen

Es gibt diese besonderen Momente, in denen mein Chef etwas entscheidet, von dem ich exakt weiß, dass es in drei Wochen …

  • nicht funktioniert,
  • doppelt so teuer wird,
  • oder mit den Worten endet: „Warum hat uns das niemand früher gesagt?“

Spoiler: Ich habe es gesagt. Leise. Zwischen zwei Meetings. In einem Halbsatz. Den niemand gehört hat.

Meine bewährten Überlebensstrategien

1) Das verzögerte Recht

Ich lasse meinen Chef recht haben – vorerst. Später sage ich dann: „Interessant, das ist fast genau das, was ich damals meinte.“
Fast. Wichtiges Wort.

2) Die höfliche Rückwärtsargumentation

„Ich glaube, Ihre Lösung funktioniert – wenn wir zusätzlich noch …“
„Zusätzlich“ bedeutet in Wahrheit: eigentlich anders.

3) Das dokumentierte Schweigen

Ich schreibe mir alles auf. Für mich. Nicht aus Bosheit, sondern für den Moment, wenn mein Chef sagt: „Das konnte ja niemand wissen.“
Doch. Ich. Immer.

Warum ich trotzdem entspannt bleibe

Früher wollte ich immer sofort recht haben. Heute weiß ich:

  • Recht haben bringt keine Beförderung,
  • Recht behalten macht keinen Feierabend früher,
  • und Recht bekommen ist emotional massiv überbewertet.

Mein Chef braucht das Gefühl, recht zu haben. Ich brauche das Wissen, dass ich es bin. Das reicht uns beiden vollkommen.

Mein innerer Frieden

Ich habe akzeptiert:

  • Mein Chef hat formal recht,
  • ich habe inhaltlich recht,
  • und das Universum regelt den Rest.

Und wenn alles schiefgeht, sage ich nicht: „Ich hab’s ja gesagt.“ Sondern: „Spannend. Daraus können wir lernen.“
Das ist die erwachsene Version von „Ich hatte recht“.

Fazit

Ja, mein Chef hat immer recht. Und ja, ich auch. Der Unterschied ist nur: Er sagt es laut. Ich weiß es still.
Und das ist im Büroalltag die einzig wirklich funktionierende Lösung.