In Deutschland sorgt das Terminservice- und Versorgungsgesetz für Diskussionen: Um die Wartezeiten für Kassenpatienten zu verkürzen, können Ärzte dort Zusatz-Honorare erhalten, wenn sie schneller Termine vergeben. Doch in der Praxis scheint sich die Situation nicht wesentlich verbessert zu haben. Lange Wartezeiten sind nach wie vor ein Problem. Doch wie sieht es eigentlich in Österreich aus?
Die deutsche Herausforderung
Das deutsche Gesundheitssystem ist bekannt für seine Zweiklassenmedizin. Kassenpatienten warten häufig deutlich länger auf Termine als Privatpatienten. Das 2019 eingeführte Terminservice- und Versorgungsgesetz sollte hier Abhilfe schaffen. Ärzte, die kurzfristig Termine für gesetzlich Versicherte anbieten, erhalten finanzielle Anreize. Doch Kritiker bemängeln, dass dies nicht ausreicht, um die strukturellen Probleme zu lösen.
Österreichs Ansatz
In Österreich ist die Situation anders geregelt. Hier gibt es eine stärkere Trennung zwischen niedergelassenen Kassenärzten und Wahlärzten, die keine Kassenverträge haben. Kassenpatienten können bei Wahlärzten die Rechnung einreichen und einen Teil der Kosten rückerstattet bekommen. Diese Flexibilität ermöglicht oft schnellere Termine, auch wenn es für Patienten teurer werden kann.
Vor- und Nachteile beider Systeme
Der österreichische Ansatz bietet den Vorteil, dass Patienten durch die Wahlärzte schneller Termine bekommen können. Allerdings müssen sie in Vorleistung treten und gegebenenfalls höhere Eigenkosten tragen. In Deutschland hingegen sind die Kosten für Kassenpatienten in der Regel niedriger, doch die Wartezeiten bleiben ein Ärgernis.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Verfügbarkeit von Fachärzten. In Österreich sind Fachärzte oft schneller zugänglich, was auf eine bessere Verteilung und Organisation des Gesundheitssystems zurückzuführen ist. In Deutschland hingegen kämpfen viele Regionen mit einem Mangel an Fachärzten, was die Wartezeiten zusätzlich verlängert.
Was könnte besser gemacht werden?
Für beide Länder gilt: Eine verbesserte Organisation und mehr Ressourcen könnten helfen, die Wartezeiten zu verkürzen. Investitionen in die Digitalisierung des Gesundheitssystems und eine gerechtere Verteilung der Ärzte könnten ebenfalls Abhilfe schaffen.
In Österreich könnte eine stärkere finanzielle Unterstützung für Patienten, die Wahlärzte in Anspruch nehmen, die Belastung reduzieren. In Deutschland sind strukturelle Reformen und eine bessere Honorarpolitik für Kassenärzte wesentliche Schritte, um die Zweiklassengesellschaft im Gesundheitssystem zu überwinden.
Zusammenfassend zeigt sich, dass sowohl Österreich als auch Deutschland vor Herausforderungen stehen, wenn es um die Terminvergabe im Gesundheitswesen geht. Beide Systeme haben ihre Stärken und Schwächen – und beide könnten von einem gezielten Austausch und der Übernahme bewährter Praktiken des jeweils anderen profitieren.