Die Ankündigung der deutschen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, einen Dialogprozess zur Erarbeitung eines neuen Primärversorgungssystems zu starten, hat auch in Österreich Interesse geweckt. Während die Gesundheitsversorgung in beiden Ländern traditionell stark auf Allgemeinmediziner:innen und Krankenhäuser setzt, gibt es doch markante Unterschiede im System und der Herangehensweise.

Österreich hat in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte in der Primärversorgung gemacht. Die Einführung von Primärversorgungseinheiten (PVE) hat sich als erfolgreich erwiesen, um die Versorgung der Patient:innen zu verbessern und Krankenhäuser zu entlasten. Diese Einheiten bestehen aus Teams von Allgemeinmediziner:innen, Pflegepersonal und anderen Gesundheitsberufen, die gemeinsam in einer Einrichtung arbeiten. Ziel ist es, eine umfassende und kontinuierliche Betreuung zu bieten, die über die klassische Sprechstunde hinausgeht.

Was plant Deutschland?

In Deutschland hingegen wird der Dialogprozess gerade erst gestartet. Ministerin Warken betont, dass die Reform darauf abzielt, eine effizientere und patientenorientierte Versorgung zu schaffen. Die Idee ist, dass sowohl die Patient:innen als auch die Gesundheitsdienstleister von der Reform profitieren sollen. Ein Vorbild könnten dabei die österreichischen PVEs sein, die bereits erfolgreich arbeiten und sowohl Patient:innen als auch Ärzt:innen entlasten.

Der österreichische Vorsprung

Österreich kann auf ein gut etabliertes PVE-Netzwerk zurückgreifen, das als Vorbild für die deutschen Pläne dienen könnte. Diese Einheiten haben gezeigt, dass durch die Bündelung von Kräften nicht nur die Qualität der Versorgung gesteigert wird, sondern auch die Arbeitszufriedenheit der Gesundheitsberufe steigt. Dies ist besonders in ländlichen Regionen von Bedeutung, wo der Zugang zu Fachärzt:innen oft eingeschränkter ist.

Ein weiterer Vorteil des österreichischen Systems ist die Flexibilität der PVEs. Sie können sich an die spezifischen Bedürfnisse der Region anpassen, in der sie tätig sind. Das könnte auch für Deutschland ein interessanter Ansatz sein, um die unterschiedlichen regionalen Anforderungen besser abdecken zu können.

Was kann Österreich lernen?

Obwohl Österreich in Sachen Primärversorgung gut aufgestellt ist, gibt es immer Raum für Verbesserungen. Der Dialogprozess in Deutschland könnte neue Impulse geben, wie etwa die Integration digitaler Gesundheitslösungen oder innovative Modelle der Patientenbeteiligung. Auch der Austausch von Best Practices könnte beiden Ländern bei der Weiterentwicklung ihrer Systeme helfen.

Insgesamt zeigt das Vorhaben in Deutschland, dass die Verbesserung der Primärversorgung ein zentrales Thema für viele Länder bleibt. Österreich kann stolz auf seine bisherigen Errungenschaften sein, sollte aber auch offen für neue Ideen und Ansätze aus dem Ausland bleiben, um das eigene System weiter zu optimieren.