Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bleibt für die Hinterbliebenen oft eine Welt voller Schmerz und Leere zurück. Doch während Trauer im privaten Umfeld ihren Raum findet, wird sie in der Arbeitswelt häufig an den Rand gedrängt oder gar tabuisiert. In einer Leistungsgesellschaft, die auf Effizienz und Produktivität setzt, bleibt für Emotionen oft wenig Platz. Dabei ist es gerade für Unternehmen wichtig, sich mit der Trauer der Mitarbeitenden auseinanderzusetzen.

Trauer in der österreichischen Arbeitswelt

In Österreich sterben jährlich rund 80.000 Menschen, was bedeutet, dass viele Arbeitnehmer:innen von einem Trauerfall betroffen sind. Dennoch wird in vielen österreichischen Unternehmen das Thema Trauer noch immer stiefmütterlich behandelt. Häufig fehlen klare Richtlinien oder Unterstützungssysteme, um Mitarbeitenden in solch schweren Zeiten beizustehen.

Experten sind sich einig: Unternehmen, die Trauer am Arbeitsplatz nicht ignorieren, sondern offen damit umgehen, profitieren auf lange Sicht. Denn Mitarbeitende, die sich in ihrer Trauer ernst genommen fühlen, kehren nicht nur schneller in ihren Arbeitsalltag zurück, sondern sind auch langfristig zufriedener und produktiver.

Wie Unternehmen unterstützen können

Der erste Schritt, um Trauer am Arbeitsplatz zu adressieren, ist das Schaffen eines offenen und mitfühlenden Klimas. Führungskräfte sollten ermutigt werden, das Gespräch mit betroffenen Mitarbeitenden zu suchen und ihnen zuzuhören. Eine offene Kommunikation kann das Stigma, das oft mit Trauer verbunden ist, abbauen.

Zusätzlich können Unternehmen durch flexible Arbeitszeiten, Home-Office-Angebote oder gar eine Freistellung für die erste Trauerzeit Entlastung bieten. Einige Firmen bieten mittlerweile auch Trauerbegleitung oder psychologische Beratung als Teil ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements an.

Ein kultureller Wandel ist nötig

Um Trauer in der Arbeitswelt zu enttabuisieren, bedarf es eines kulturellen Wandels. In Österreich könnte dies durch Sensibilisierungskampagnen oder Workshops unterstützt werden, die sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende für das Thema sensibilisieren. Auch der Austausch mit Organisationen, die sich auf Trauerbegleitung spezialisiert haben, kann wertvolle Impulse liefern.

Letztlich ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, den Umgang mit Trauer zu normalisieren und Menschen in ihrer schwersten Zeit nicht allein zu lassen. Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle und haben die Chance, eine unterstützende und verständnisvolle Umgebung zu schaffen, die nicht nur den Einzelnen, sondern auch dem gesamten Team zugutekommt.