Die Lagerlogistik steht vor einem grundlegenden Wandel. Steigende Immobilienpreise, wachsende E-Commerce-Umsätze, volatile Lieferketten und der Druck zu mehr Nachhaltigkeit zwingen Unternehmen dazu, bestehende Lagerflächen effizienter zu nutzen. Gleichzeitig gibt es in vielen Regionen ungenutzte oder unterausgelastete Lagerflächen, die mit neuen Konzepten wirtschaftlich sinnvoll reaktiviert werden können.

1. Klassische Lagerlogistik und ihre Grenzen

Traditionelle Lagerlogistik ist oft auf langfristige Nutzung, feste Warenströme und große Flächen ausgelegt. Typische Probleme dabei sind:

  • Leerstand oder geringe Auslastung
  • Hohe Fixkosten bei schwankender Nachfrage
  • Unflexible Raumaufteilung
  • Lange Wege und ineffiziente Prozesse

Gerade ältere Lagerhallen oder Randlagen verlieren so an Attraktivität – obwohl sie strategisch wertvoll sein könnten.

2. Ungenutzte Lagerflächen: Ein unterschätztes Potenzial

Ungenutzte Lagerflächen entstehen zum Beispiel durch:

  • Strukturwandel in Industrie und Handel
  • Verlagerung von Produktion ins Ausland
  • Saisonale oder projektbezogene Nutzung
  • Ăśberdimensionierte Bestandsflächen

Diese Flächen bieten enormes Potenzial, wenn sie neu gedacht werden – nicht als klassisches Lager, sondern als multifunktionaler Logistikraum.

3. Neue Konzepte fĂĽr moderne Lagerlogistik

a) Flexible Shared-Warehouse-Modelle

Mehrere Unternehmen teilen sich Lagerflächen, Infrastruktur und Services. Abrechnung erfolgt nutzungsbasiert (pro Palette, m² oder Zeit).
Vorteile: geringere Fixkosten, schnelle Skalierbarkeit, bessere Flächenauslastung.

b) Mikrologistik & urbane Lager

Kleine Lagerflächen in oder nahe Städten werden für die „letzte Meile“ genutzt. Ehemalige Parkhäuser, Untergeschosse oder leerstehende Gewerbeflächen werden zu Micro-Hubs umfunktioniert.
Vorteile: schnellere Lieferzeiten, weniger Verkehr, geringere Emissionen.

c) Temporäre Lager & Pop-up-Logistik

Kurzfristige Nutzung von Lagerflächen für saisonale Peaks, Aktionsware, Projektlogistik oder Events/Messen.
Vorteile: maximale Flexibilität ohne langfristige Bindung.

d) Automatisierung & modulare Systeme

Durch automatische Lagersysteme, mobile Regale, Shuttle-Systeme oder Robotik lassen sich auch kleine oder verwinkelte Flächen effizient nutzen.
Vorteile: höhere Lagerdichte, geringerer Personalbedarf, bessere Prozessgeschwindigkeit.

4. Digitalisierung als SchlĂĽssel

Neue Lagerkonzepte funktionieren besonders gut mit digitaler UnterstĂĽtzung:

  • Lagerverwaltungssoftware (WMS)
  • Echtzeit-Tracking von Waren und Flächen
  • KI-basierte Bedarfs- und Flächenplanung
  • Plattformen zur Vermittlung freier Lagerkapazitäten

So werden Lagerflächen dynamisch buchbar – ähnlich wie Coworking-Spaces, nur für Logistik.

5. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Die Reaktivierung bestehender Lagerflächen ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch ökologisch:

  • weniger Neubauten
  • geringerer Flächenverbrauch
  • kĂĽrzere Transportwege
  • bessere Energieeffizienz durch NachrĂĽstung

Unternehmen können damit Kosten senken und gleichzeitig ESG-Ziele unterstützen.

Fazit

Die Zukunft der Lagerlogistik liegt nicht allein im Neubau großer Logistikzentren, sondern in der intelligenten Nutzung bestehender, oft ungenutzter Lagerflächen. Flexible Modelle, Digitalisierung und neue Nutzungskonzepte machen aus leerstehenden Hallen leistungsfähige Logistiklösungen. Wer Lagerflächen heute neu denkt, schafft nicht nur Effizienz – sondern einen echten Wettbewerbsvorteil.