Ein langwieriger Krankheitsfall kann schnell zur finanziellen Belastung werden. Doch sowohl in Österreich als auch in Deutschland gibt es gesetzliche Regelungen, die Arbeitnehmer:innen in solchen Situationen unterstützen. Aber wie unterscheiden sich diese Systeme und was sollten Betroffene beachten?

Die Basics des Krankengeldes in Österreich

In Österreich spricht man nicht von Krankengeld, sondern von Krankengeldanspruch, der nach dem Ende der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber eintritt. In der Regel erhalten Krankgeschriebene in den ersten sechs Wochen weiterhin ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber. Danach springt die gesetzliche Krankenkasse ein.

Der Krankengeldanspruch beträgt typischerweise 50 Prozent des Gehalts, kann aber durch kollektivvertragliche Regelungen auf bis zu 75 Prozent erhöht werden. Der Anspruch besteht für maximal 26 Wochen, in Ausnahmefällen kann er auf bis zu 52 Wochen verlängert werden.

Deutschland: Andere Begriffe, ähnliche Ziele

In Deutschland ist der Begriff „Krankengeld“ geläufiger. Ähnlich wie in Österreich erhalten Arbeitnehmer:innen zunächst eine Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber, jedoch für sechs Wochen. Anschließend zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld, das in der Regel 70 Prozent des Bruttogehalts beträgt, jedoch auf 90 Prozent des Nettogehalts gedeckelt ist.

Der maximale Bezugszeitraum liegt bei 78 Wochen, also etwa anderthalb Jahren, innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit. Das gibt Betroffenen in Deutschland mehr Zeit zur Genesung, ohne finanzielle Einbußen zu stark spüren zu müssen.

Ein Vergleich der Systeme

Beide Länder bieten ein soziales Sicherheitsnetz, unterscheiden sich jedoch in Details, die für Betroffene entscheidend sein können. Österreich bietet mitunter eine höhere prozentuale Gehaltsfortzahlung, während Deutschland einen längeren Bezugszeitraum ermöglicht.

Ein wesentlicher Unterschied ist auch die administrative Abwicklung. In Österreich sind kollektivvertragliche Regelungen oft komplexer und individueller gestaltet. In Deutschland hingegen sind die Regelungen weitgehend standardisiert, was die Transparenz erhöhen kann.

Praktische Tipps für Betroffene

  • Informieren Sie sich frühzeitig über Ihre Rechte und Pflichten im Krankheitsfall. Dies kann finanziellen Stress vermeiden.
  • Prüfen Sie, ob Ihr Arbeitgeber oder Ihre Gewerkschaft zusätzliche Leistungen bietet.
  • Nutzen Sie Beratungsangebote Ihrer Krankenkasse, um den Übergang von der Entgeltfortzahlung zum Krankengeld reibungslos zu gestalten.

Während Krankheiten niemals willkommen sind, bieten die Systeme in Österreich und Deutschland zumindest eine finanzielle Absicherung während der Genesungszeit. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Rechten und Pflichten kann dabei helfen, diese Zeit so stressfrei wie möglich zu gestalten.